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Die Mensur
Dieser alte
studentische Fechtsport gehört seit jeher zum
Verbindungswesen, wie Band und Mütze, und eint daher auch die
allermeisten
Korporierten zu “Waffenbrüdern”. Die Mensur stellt wohl den Bestandteil
waffenstudentischen Brauchtums dar, um den sich die meisten Gerüchte
und Halbwahrheiten ranken. Von Schauermärchen, wie dem Streuen von Salz
in die Wunden oder dem bewußten Einlegen von Pferdehaaren, bis hin zu
solch völlig falschen Annahmen, daß der Sinn der Mensur das Erhalten
von Schmissen sei. Einem Außenstehenden die Mensur und deren Sinn zu
erklären, ist in der Tat schwer, ist sie doch aus einer rein
rationellen Betrachtungsweise allein nicht zu begründen.
Das Eingehen eines
kalkulierbaren Verletzungsrisikos beweist den anderen Teutonen
einerseits, daß man unbedingt für sie einzustehen bereit ist,
andererseits hält die Mensur Opportunisten von unserer Burschenschaft
mit all ihren Vorteilen fern. Eine
solche Mensur ist, ähnlich einem Boxkampf, eine faire, sportliche
Auseinandersetzung mit überschaubaren Verletzungsgefahren.
Bei einer Mensur gibt es im Gegensatz zu einem Boxkampf jedoch keinen
Gewinner und Verlierer. Trotz des selbstverständlichen Zieles, den
Gegner zu treffen und sich selber gut zu schützen, ist das Treffen
jedoch nicht das Entscheidende bei einer Mensur. Das eigentliche Ziel
ist für jeden Fechtenden (Paukanten), die Mensur ordentlich und
regelkonform zu bestehen. Die Mensur ist also ein streng geregelter
sportlicher und ritterlicher Zweikampf mit einem Schiedsrichter
(Unparteiischen) und Sekundanten, welche die Paukanten vor
Regelwidrigkeiten schützen. Jedem Paukanten steht ein Arzt zur Seite,
der sofort die medizinische Versorgung der Verletzungen nach neuesten
medizinischen Erkenntnissen vornimmt.
Die Mensur hat
allerdings auch nichts mit einem Duell zu tun. Sie ist ein Mittel, um
Willenskraft, Persönlichkeit und Gemeinschaftsgeist zu fördern. Um auf
Mensur bestehen zu können, ist regelmäßiges Üben (Pauken) über etwa ein
Jahr erforderlich, denn nur mit entsprechendem Können darf man eine
Mensur fechten. Die Extremsituation des Fechtens und die intensive
sportliche Vorbereitung auf die Mensur schweißt uns zu einer
starken Gemeinschaft zusammen, wie sie im Leben ihresgleichen sucht.
Für unsere
Burschenschaft auf Mensur zu stehen bedeutet, zu beweisen, daß man für
die burschenschaftlichen Ideale und für die Teutonia bereit ist, im
wahrsten Sinne des Wortes "seinen Kopf hinzuhalten" und gegebenenfalls
auch Nachteile in Kauf zu nehmen. Die gefochtene Mensur zeigt, daß die
Zugehörigkeit zu unserer Burschenschaft mehr als ein bloßes
Lippenbekenntnis ist. Die Mensur ist Auslese und Charakterschulung
zugleich. Auslese, weil sie Mitläufertum verhindert, und
Charakterschulung, weil sie jeden vor eine Grenzsituation stellt, die
einem körperlich und moralisch alles abverlangt und die jeden, der sie
bestanden hat, mit einem großem Glücksgefühl erfüllt.
Der
Burschenschafter trägt seine Narben deshalb mit Stolz, weil sie auf
einer ganz persönlichen Selbstüberwindung beruhen. Das Bewußtsein, daß
jeder Teutone den gleichen Einsatz für unsere Burschenschaft auf der
Mensur gebracht hat, ist einer der Gründe für den einzigartigen
Zusammenhalt zwischen den Angehörigen der Burschenschaft Teutonia.
Letztendlich
verstehen kann daher die uralte Tradition der Mensur nur der, der
selber auf der Mensur seinen Mann stand!
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